Die heutige Zeit ist eine Phase der Premieren, des disruptiven Wandels und neuer Gehversuche, gerade auch für Unternehmen der Chemie- und Kunststoffindustrie. Der diesjährige – erstmals digitale – Fachpressetag von PlasticsEurope Central Region zeigte eindrucksvoll, wie viel insbesondere in der Kunststoffbranche derzeit in Bewegung ist. Dabei vermittelte er zugleich sozial-gesellschaftliche wie politisch-regulatorische Kontexte, in denen die Fortschrittserwartungen an unsere Industrie deutlich werden.
Dass dies keine in weite Ferne gerichtete Vision sei, sondern die Transformation im Hier und Jetzt stattfinde, belegte er mit zwei aktuellen Investitionsbeispielen: Eine hochmoderne Pilot-Anlage für das mechanische Recycling, deren Rezyklat-Qualität anspruchsvollen Anwendungen wie Konsumgütern genügen kann. Und eine Technologie, mit der CO2 im industriellen Maßstab für die Herstellung von Kunststoffen genutzt wird.
Einfach weglassen? Wie umgehen mit Plastikverpackungen?
Im Anschluss warf Dr. Johanna Kramm, Leiterin der Nachwuchsgruppe PlastX am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung einen kritischen Blick auf Kunststoffverpackungen. Von 1998 bis 2018 habe sich ihr Verbrauch von 1,6 Mio. Tonnen auf 3,2 Mio. Tonnen verdoppelt, erklärte die promovierte Geographin zu Beginn. Aus der Abfallhierarchie leite sich ab, dass Verpackungen zuallererst überall dort, wo es möglich ist, vermieden werden sollten. Sie skizzierte hierfür gleich mehrere Wege: vom Weglassen unnötiger Verpackungen ohne Funktion, über Transporte mit weniger Verpackungseinsatz bis hin zu den „überall aus dem Boden sprießenden“ Unverpackt-Läden.
Diese seien zwar noch ein Nischenakteur (Herausforderungen wie große Gebinde für die Beschaffung, Reinigungsinfrastrukturen und veränderte Einkaufsroutinen). Das könne sich jedoch nach und nach ändern und zu einer erheblichen Reduzierung des Gesamtverpackungsgewichts führen. Dort, wo Kunststoffverpackungen nicht weggelassen werden könnten, sei die Verbesserung ihrer Recyclingfähigkeit und die Etablierung eines einheitliches Mehrwegsystems voranzutreiben.
Mutig vorangehen? Wie unterstützen die Kunststofferzeuger den Green Deal?
Die zweite Rolle der Kunststoffindustrie sei die des Problemlösers für zahlreiche andere Industrien: Mithilfe von Kunststoff-Anwendungen würden Automobile – auch E-Autos – leichter und somit CO2-schonender. Auch Niedrigenergiehäuser seien nur dank Kunststoff-Anwendungen möglich und in der Energiewende sei man unter anderem auf Rotorblätter angewiesen, die auch aus Kunststoffen bestehen.
Marktfähig? Welche Chancen bietet das chemische Recycling für die Kreislaufwirtschaft?
In seinem Schlusswort wies Ingemar Bühler mit spürbarem Optimismus darauf hin, dass die aktuellen Technologiefortschritte berechtigterweise erwarten lassen, dass der Weg der Industrie hin zu mehr Nachhaltigkeit und Effizienz sich fortsetzt. Klar sei dabei auch: Hier müssen alle dabei mithelfen, dass kluge Ideen und Lösungen aus und in Deutschland sehr viel schneller marktfähig werden als es in der Vergangenheit der Fall war.
Einige tolle aktuelle Beispiele für Innovationen, die eine Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen möglich machen, finden Sie in unserem Webspecial Kreislaufwirtschaft.